The Show Must Go On

Werden wir bis zu nächsten „Wetten, dass...?“-Ausgabe einen Kanzler haben?

Das ZDF, man glaubt das ja gar nicht, hat einen Unterhaltungschef, also jemanden, der sich hauptberuflich mit so genannten Shows beschäftigt. Oliver Heidemann heißt der und Heidemann hat Anfang dieser Woche bisschen was zu der „Wetten, dass...?“-Sendung erzählt, die am 6. November tatsächlich stattfinden wird. Es soll sich um eine einmalige Sache halten, aber das haben sie uns 2005 bei der Großen Koalition auch versprochen.

Überraschenderweise moderiert Thomas Gottschalk die Show, dabei war er streng genommen nur einer von fünf Gastgebern, und weder der Erfinder noch der bisher letzte Moderator. Wer das ist, darüber gibt es ja einen ZDF-internen Streit, denn nachdem sich Markus Lanz, der jetzt hauptberuflich Politiker fragt, ob sie wahlweise „sauer“, „angfressen“ oder „genervt“ sind und dafür tatsächlich Preise und Lob bekommt, am 13. Dezember 2014 zu dem Lied „Zeit zu gehen“ von Unheilig mit den Worten „Das Leben geht weiter – wetten, dass...?“ verabschiedet hat, moderierte Jan Böhmermann 2016 - mit dem Segen des Senders – noch einmal eine Show, die den Namen „Wetten, dass...?“ trug.

https://youtu.be/nbcbGTprFfU

Warum also eigentlich Gottschalk? Warum nicht Böhmermann (der Letzte)? Oder Lanz (der Zerstörer)? Oder Frank Elstner (der Erfinder)? Oder Wolfgang Lippert (der Gescheiterte)? Vielleicht, weil Böhmermann mit seinem Podcast und seiner eigenen Show gut zu tun hat. Lanz hat dreimal die Woche seine Talkshow und zudem bald auch einen Podcast mit dem Philosophen-Darsteller Richard David Precht. Elstner, so stand es vor kurzem in einem großartigen „Spiegel“-Porträt, hatte noch nie wirklich Lust auf Menschen. Und Wolfgang Lippert moderiert beim MDR einmal im Monat die Sendung „Damals war’s“ und zudem eine Morgensendung bei einem sächsischen Radiosender. Thomas Gottschalk hingegen diskutiert mit Heino bei „Bild TV“ den Ausgang der Bundestagswahl. Lässt Heidemann ihn aus Mitleid moderieren?

https://youtu.be/sQrmnj1JNkI

Das hat er am Montag nicht erklärt und auch sonst waren die „Details“ zur Show überschaubar. Gehen wir seine Aussagen einmal durch:

  •  „Es wird ein „Wetten, dass..?“, wie wir es uns alle vorstellen. Kein Blick zurück, sondern eine große Familienshow mit allem, was diese Sendung immer stark gemacht hat." Ich glaube, ich stelle mir „Wetten, dass...?“ anders vor als zum Beispiel Oliver Heidemann. Wenn das eine Show werden soll „mit allem, was diese Sendung immer stark gemacht hat“ es aber „kein Blick zurück“ sein wird, dann sollte mal Precht erklären, wie sich dieser Widerspruch auflösen könnte.
  •  Neben Gottschalk wird Michelle Hunziker durch die Show führen. Überraschenderweise hat sie das, kleiner Blick zurück, schon einmal gemacht, von 2009 bis 2011. Darüber hinaus verspricht Heidemann „skurrile Wettideen, große Maschinen, clevere Kinder und Superstars“. Donnerwetter. So etwas hat es ja in 40 Jahren „Wetten, dass...?“ noch nie gegeben – der scheint es wirklich ernst zu meinen mit diesem „kein Blick zurück“...
  •  Herr Heidemann, was haben Sie denn sonst noch? „Wir haben tolle Wetten, selbstverständlich auch eine spektakuläre Außenwette, nationale und internationale Musikacts und eine Couch voll mit großen Stars. Dazu ein Moderator, der sich riesig darauf freut, in sein altes Wohnzimmer zurückzukommen. Und wenn dann noch Michelle Hunziker die Bühne betritt, dann wissen alle, dass das der beste Platz für diesen Abend ist."

Ich habe die letzten drei Sätze jetzt fünfmal gelesen, aber ich weiß immer noch nicht, wo der beste Platz für diesen Abend ist. Das alte Wohnzimmer von Gottschalk? Die Bühne, die Hunziker betritt? Ist mein Platz vor dem Fernseher dann gar nicht so gut?

Oliver Heidemann promovierte 1993 über französische Operngeschichte. 1999 kam er zum ZDF und betreute dort Formate wie das „Sonntagskonzert“, „Lustige Musikanten“, „Echo Klassik“ oder „Götz Alsmanns Nachtmusik“. Dann war er zuständig für die „Helene Fischer Show“ und leitete die „Wetten, dass...“-Redaktion in der Zeit, als Markus Lanz der Moderator der Show war, und niemand wagt sich zu weit aus dem Fenster, der behauptet, dass das nicht beste Zeit von „Wetten, dass...?“ war. Aber selbst, wenn man als Verantwortlicher die größte Fernsehshow Europas kaputt macht, wird man beim ZDF Leiter der „Hauptredaktion Show“ und in dieser Logik wäre es ja zwingend erforderlich, dass Armin Laschet Vorsitzender der CDU bleibt.

Im Februar 1999 war übrigens Gerhard Schröder zu Gast bei „Wetten, dass...?“ – wenige Monate zuvor wurde er zum Bundeskanzler gewählt. Diese Wahl haben vielleicht einige Zuschauer nicht mitbekommen, deshalb war sein Besuch bei der ZDF-Show so eine Art Inauguration, Schröders feierliche Einführung in sein Amt. 

https://youtu.be/6d1wJ3eUgD0

Und vielleicht sollte der Politiker, die Politikerin, die am 6. November neben Gottschalk und Hunziker auf dem Show-Sofa sitzt, die nächste Regierung anführen. Spart man sich Vorsondierungen, Sondierungen, Koalitionsverhandlungen und Tweets von Robin Alexander.

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