Über Bücher

Und, ja, ein bisschen auch was über das TV-Menü zu Weihnachten. Und über Sisi...

Keine Ahnung, wie ich das schon wieder geschafft habe, aber neben all dem Fernsehen, habe ich in diesem Jahr auch Bücher gelesen, und ich sag mal so: 2021 war insgesamt kein gutes Jahr für das Fernsehen, aber wirklich kein schlechtes für die Literatur (ey, David Hugendick, huhu, Tobias Rüther – gerne widersprechen, aber dann bitte auch keine Texte von euch über „Der Beischläfer“, okay?).

Und deshalb, bevor wir zum Weihnachtsprogramm kommen, empfiehlt der Fernsehfritze jetzt mal paar Bücher, denn der Vorteil von Büchern gegenüber eine Netflix-Serie besteht darin, dass man die sogar verschenken kann (falls man noch nix hat). Aber erwarten Sie bitte nicht von mir Unsinns-Formulierungen wie „ein Buch, so gut, wie eine Serie“ oder „kann es an Komplexität mit „The Wire“ aufnehmen“.

Das beste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe, war „Shuggie Bain“ von Douglas Stuart. Es erschien im August im Hanser-Verlag, ins Deutsche umwerfend übersetzt von Sophie Zeitz. Worum geht es? Tatsächlich um einen Jungen namens Shuggie Bain und sein Aufwachsen mit seiner alkoholkranken Mutter im Glasgow der Thatcher-Jahre. Und wie das geschrieben ist, das ist so wunderschön und tieftraurig, aber vor allem ist es mit einer so großen Liebe zu den Figuren gemacht worden, dass man sich wundert, warum manch biografische Verachtungsliteratur in den vergangenen Jahren mehr gefeiert wurde, als dieser Roman.

Andere gute Bücher dieses Jahres waren:

  •  „Die Anomalie“ von Hervé Le Tellier, 
  •  „Verzweiflungstaten“ von Megan Nolan 

  •  „Daheim“ von Judith Hermann 

  •  „Die Überlebden“ von Alex Schulman

Und keines von denen will ich als Serienadaption sehen.

Warum übrigens werden bei Büchern keine Remakes gemacht? Kommt ja keiner auf die Idee zum Beispiel „Der große Gatsby“ nochmal zu schreiben, um die Geschichte, sagen wir, „frischer“ zu machen. Auf die Idee kommen nur Menschen vom Fernsehen, und deshalb läuft auch seit Sonntag auf RTL+ „Sisi“. Als Serie. Aus diesem Jahr. Und weil ich ja nicht in jeder Folge dieses Newsletters die Fassung verlieren will, möchte ich auf die Kollegin Carolin Ströbele von ZEITonline verweisen – Sie können ihr vertrauen, sie weiß, was sie tut, und sie hat Recht, wenn sie schreibt:

„Es kommt nämlich alles noch schlimmer. Der junge Franz Joseph, von Jannik Schürmann mit diabolisch zusammengekniffenen Augen verkörpert, ist ein Mann unter Druck, mit gestörtem Mutterverhältnis und Begierden, die er nicht immer unter Kontrolle hat. Kurz: der Christian Grey der Kaiserzeit. Eine super Partie, aber man sollte schon das Kleingedruckte lesen. Nachdem er Sisi im Kurort Bad Ischl vor der Vergewaltigung durch böse Ungarn gerettet hat, greift er ihr selbst etwas zu beherzt ans Dekolleté, so dass die junge Frau sich in den folgenden Szenen mühsam die Stoffreste zusammenhalten muss, um ihre Blöße zu bedecken. Dass mit der sexuell selbstbestimmten Frau funktioniert leider nicht so richtig, wenn ein männlicher Regieblick die Protagonistin ständig auszieht.“

Den ganzen Text finden Sie hier: 

https://www.zeit.de/kultur/film/2021-12/serien-remake-sisi-rtl-plus-rezension

Irrerweise gibt es aber auch Kritikerinnen und Kritiker, die die Serie gut finden – und das finde ich fast schlimmer, als die Serie selbst. In der „Süddeutschen Zeitung“ steht Folgendes:

„Opulent inszeniert - gedreht wurde unter anderem in Lettland und Litauen -, wird Sisi gerade schon in einem Zug mit The Crown oder Bridgerton genannt.“

Mhm. Wer nennt denn das eigentlich in einem Zug mit „The Crown“ und „Bridgerton“? Ach so, „Bild“ nennt das teilweise so, unter der Überschrift „Welches Schmuckstück Sisi als Dildo benutzt?“ findet sich der Satz:

„Die Macher kombinieren geschickt romantische Historie mit deftigen Sexszenen und ließen sich dabei offensichtlich vom Netflix-Erfolg „Bridgerton“ und „Fifty Shades of Grey“ inspirieren.“

Joa, Inspiration schön und gut, aber wenn den zwei männlichen Headautoren dann auch nix anderes einfällt als Sex, um „Sisi“ ins Jahr 2021 zu holen, dann sollten sie vielleicht nochmal zurück in den Writers Room und ganz freundlich ein paar Drehbuchautorinnen dazu bitten.

Ach, und übrigens Stichwort „Opulent inszeniert in Lettland und Litauen“, liebe SZ: Dass Produktionsfirmen in diesen Ländern drehen, liegt an den zum Teil eher miesen Bedingungen für die dort an den Sets arbeitenden Menschen – opulent bezahlt werden die nämlich nicht. Und wenn dann dabei nur Bilder herauskommen, die einen an „Terra X“ erinnern, dann hätte man das vielleicht auch alles am Computer zusammenfummeln können, oder?

Okay. Reicht jetzt auch. Wenn Sie mich fragen, was Sie sich an Weihnachten anschauen wollen (nachdem Sie die fünf Bücher von oben gelesen haben!), dann rate ich zum einen zur „echten“ Sisi (24.12. 20:15 ARD) – zum anderen, ohne Bedenken, hierzu:

  •  „Der kleine Lord“ (17.12. 20:15 ARD)
  • - „Kevin allein zu Haus (24.12. 20:15 Sat1)
  • - „Ist das Leben nicht schön“ (25.12. 20:15 3sat)
  • .- „Die Geister, die ich rief“ (25.12. 22:45 Sat1)
  • - „Weihnachten zu Hause“ (Netflix)
  • - The Christmas Chronicles 1 & 2 (Netflix)
  • - „Klaus“ (Netflix)
  • - „Der Grinch“ (Netflix)
  • - „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ (Disney+)

So. Das war es für dieses Jahr mit dem Newsletter. Ich schau jetzt eh nur noch alle Weihnachtsfilme und – serien, über die ich in diesem Text geschrieben, und ich möchte mich weder wiederholen, noch jemanden langweiligen. Der nächste Newsletter erscheint am 7. Januar 2022.

Ich wünsche allen Leser*innen eine besinnliche Zeit, ein frohes Fest, einen guten Rutsch und nur das beste für das kommende Jahr.

Und jetzt:

https://youtu.be/f4L3JfveYMk

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