Zum Hauptinhalt springen

Es gibt keine Übersterblichkeit, Corona ist also harmlos. HÄ!?

So argumentieren momentan viele Impfgegner, Coronaleugner und Querdenker. Lasst uns einmal prüfen, was davon stimmt und was nicht.

1. WAS STIMMT.

Es stimmt, dass die Uni Duisburg-Essen die Sterbezahlen der Bevölkerung aus 3 verschiedenen Ländern analysiert: Deutschland, Spanien und Schweden. Es stimmt ebenfalls, dass für Spanien eine Übersterblichkeit von ca. 15% und für Schweden von ca.

3% festgestellt wurde. In Deutschland war keine erhöhte Zahl an Verstorbenen feststellbar.

2. WIE KOMMT DAS?

Ist das Corona etwa gar nicht so gefährlich, wie alle glauben? Diese Schlussfolgerung zieht insbesondere die Querdenkerszene. Doch stimmt das so?

Schauen wir uns erst einmal die absoluten Zahlen an: Von 2016 bis 2019 verstarben durchschnittlich in Deutschland 934.394 Menschen. Im Jahr 2020 waren es 985.620, was in absoluten Zahlen 51.226, also 5,5% mehr Tote ausmacht. Darin sind ca. 34.000 COVID19-Tote enthalten.

Wie kommt man dann zu dem Schluss, es gäbe keine Übersterblichkeit? Setzen wir die Zahlen in einen Kontext: Zum Einen der demographische Wandel. 2016 gab es 4,8 Mio. Menschen, die über 80 Jahre alt waren, 2020 waren es bereits 5,8 Mio.

Alleine aufgrund der gestiegenen Zahl älterer Menschen muss bereits ohne Pandemie von einem Anstieg der Sterblichkeit ausgegangen werden, egal, ob diese Menschen tatsächlich versterben werden, oder nicht. In jedem Fall hat es aber Einfluss auf die Prognose der Sterblichkeit.

Zum Anderen gab es 2020 genügend Faktoren, die die Sterblichkeit insgesamt gedrückt haben: Durch Masken und Abstand hatten wir keine nennenswerte Grippewelle, die Zahl von laborbestätigten Influenzatoten lag laut @statista_com 2019/2020 bei nur 518 (laborbestätigt), wo sie 2017/2018 schätzungsweise (per Exzessrechnung) 25.100 Menschen das Leben kostete. Diese Zahl floss natürlich in die Sterblichkeitsprognose für 2020 ein.

Ein dritter, nicht zu vernachlässigender Punkt ist die Zahl der Verkehrstoten. Diese sank allein im ersten Lockdown um 18%, im gesamten Jahr um 10,6 Prozent im Vergleich zu 2019.

Auch die niedrigere Zahl der Krankenhauseinweisungen für elektive OPs, Herzerkrankungen und onkologische Erkrankungen mag eine Rolle gespielt haben, war aber z.T. selbst Coronabedingt. Ihre Aussagekraft kann in diesem Kontext nicht eindeutig geklärt werden.

WAS SAGT UNS DAS?

Es sagt uns eines: COVID19 IST GEFÄHRLICH.

Die statistisch nicht erhöhte Sterblichkeit im Jahr 2020 lag NICHT an der angeblichen Harmlosigkeit von Corona, sie lag an der Höhe der "Nicht-Verstorbenen", die bereits als prognostizierte Todesfälle in die Hochrechnung eingeflossen waren.

Es sollte uns nicht beruhigen, es sollte uns erschrecken, dass Sars-CoV-2 nahezu im Alleingang in der Lage war, all die durch ausgebliebene Grippewelle, die reduzierte Zahl an Verkehrstoten und anderen Faktoren verschonten Menschenleben auf das Niveau der Vorjahre zu heben.

Ohne Pandemie wäre, mit identischen Maßnahmen und Bereinigungen, nämlich eine relevante Untersterblichkeit die Konsequenz gewesen.

Quellen: journals.plos.org/plosone/articl… aerzteblatt.de/nachrichten/10… statista.com

Nur Mitglieder, die Zugang zu diesem Post haben, können Kommentare lesen und schreiben.