Wie funktioniert ein mRNA-Impfstoff?

Lasst uns über mRNA-Impfstoffe sprechen. Das, was sie tun. Und das, was nicht. Und darüber, weshalb sie keine Gentherapie sind.

Ich werde nicht zu tief einsteigen, die Fachexperten mögen mir verzeihen. Hier geht es nicht um eine Doktorarbeit, sondern ich möchte Basiswissen Laienkompatibel vermitteln.

Um zu verstehen, wie mRNA-Impfstoffe wirken, müssen wir uns zuerst grundlegenden Mechanismen von Zellbiologie und Genetik widmen. Genauer gesagt, dem Prozess der Proteinbiosynthese.

Der ist dafür verantwortlich, dass aus der in der menschlichen DNA gespeicherten Information am Ende des Prozesses fertige, funktionsfähige Enzyme und Proteine entstehen. Dafür benötigt die Zelle 2 große Schritte:

1. Die Transkription. Während der Transkription wird die im Zellkern geschützt gelagerte DNA "ausgelesen".

Bestimmte Enzyme, die "Transkriptasen", beginnen die für ein benötigtes Protein benötigte DNA-Sequenz auszulesen und eine Einwegkopie zu erstellen, die sich molekular klar von der DNA unterscheidet und deshalb auch nicht mit dieser verwechselt, oder gar vertauscht werden kann.

Diese Einwegkopie ist die mRNA. Es existiert KEIN körpereigenes Enzym, das in der Lage wäre, die mRNA in DNA "zurück" zu übersetzen. Die DNA verbleibt von den Transkriptasen unverändert im Zellkern. 2. Die Translation. Die gebildete mRNA ist in der Lage, den Zellkern zu verlassen.

Das tut sie auch, um sich auf den Weg zu den Ribosomen zu begeben. Ribosomen sind die Fabriken der Zelle. Sie bekommen den mRNA-Strang und beginnen, ihn von Anfang bis Ende auszulesen. Dabei wird das "bestellte" Eiweiß gebildet, indem es - einem klassischen Bauplan entsprechend - Aminosäure für Aminosäure zusammengesetzt wird. Die mRNA zerfällt mit fortschreitendem Prozess Stück für Stück in ihre Bestandteile. Diese können nun innerhalb es Zellkerns für einen neuen mRNA-Strang genutzt werden. Unsere Zellen verstehen sich auf Recycling. Cool, nicht wahr? 

Wie gesagt, mRNA ist "Einwegware". 

Was halten wir fest? 

Vergleicht man die DNA mit der Wohnzimmer-Kategorie des IKEA-Katalogs, bildet die mRNA den Bauplan fürs Billy-Regal. Du wirst den Plan nicht ohne fremde Hilfe wieder in den Katalog bekommen, was auch nicht nötig wäre. Du kannst ihn ja jederzeit wieder extrahieren.

WAS IST JETZT MIT DER IMPFUNG?

Wer aufgepasst hat, wird sich schon denken können, wo mRNA-Impfstoffe ansetzen. Den Ribosomen (den Fabriken, wir erinnern uns) ist egal, woher der mRNA-Strang (der Bauplan) kommt, aus dem sie ein Protein zusammensetzen. Es wird gebaut, was kommt. Nun haben kluge Menschen die RNA-Sequenz von SARS-CoV-2 isoliert, die eines der Oberflächenproteine (nämlich das Spike-Protein) kodiert. Diese wird bei der Impfung - frei vom Rest der viralen Erbinformation - an die Ribosomen geliefert. 

Die machen, was sie halt machen: Sie bauen es. Und wir erinnern uns: mRNA ist Einwegware. Mehr als EIN Spikeprotein pro mRNA-Strang ist nicht drin. 

Was bedeutet das? Die Ribosomen, die bei einer Infektion Stück für Stück das gesamte Virus bauen würden, bauen nun ein einzelnes, ungefährliches Eiweiß. Eines, das im Falle einer Infektion ebenfalls gebildet werden würde. Nur halt als Teil des Virus. Dieses das Spike-Protein ist - da es ein Oberflächenprotein ist - der Teil des Virus, mit dem unsere Abwehrzellen als erstes in Kontakt kommen. Eine Fußballmetapher: Wir schicken unser Immunsystem ins Trainingslager und bringen ihm bei, die Oberfläche des Virus zu erkennen. Ein Prozess, der im Falle einer Infektion auch stattfinden würde. Nur hätte das Virus in dieser Zeit die Chance, sich unkontrolliert zu vervielfältigen uns uns schlimmstenfalls zu töten. Oder die Immunreaktion würde so ausufern, dass uns unser eigenes Immunsystem tötet.  Beides muss nicht sein. Also: Trainingslager. Die gebildeten Spike-Proteine werden - soll auch so - vom Immunsystem als körperfremd" erkannt, rufen eine Abwehrreaktion hervor und werden abgebaut. Wenn alle, dann alle.

Die Folgen: 1. Es sind nun Antikörper verfügbar, die genau auf das Spike-Protein abgestimmt sind und sofort reagieren können, wenn wir uns infizieren. Merke: Wir infizieren uns trotzdem. Aber es gibt kaum noch nennenswerte Latenz bis zu einer Immunreaktion.

2. Bestimmte Zellen, die B-Gedächtniszellen, erinnern sich an den Kontakt mit dem Protein. Sogar über Jahre. Selbst, wenn irgendwann keine Antikörper mehr frei verfügbar sind, erinnern sie sich und dürften die Zeit bis zu einer Immunantwort nach Infektion drastisch verkürzen. Diese "erinnern" sich nämlich daran, wie der "damals" effektive Antikörper aufgebaut war und beschleunigen damit dessen Produktion. Aus diesem Grund sind Antikörpertests auch nur sehr bedingt aussagekräftig, um den aktuellen Impfschutz zu analysieren.

Fazit

Der so gern genutzte Verweis auf "Langzeitfolgen" ist haltlos. Zwar wissen wir inzwischen von diversen Akutkomplikationen (wie einer Herzmuskelentzündung), aber für Langzeitkomplikationen gibt es keinen Anhalt. Kann es auch nicht geben. Wenn das Spike-Protein abgebaut ist, ist es abgebaut. Da ist nix mehr. Nur der Effekt des "Trainingslagers". Und was die Myokarditis angeht: Da ist die Coronaimpfung weder die einzige Impfung, die diese verursachen kann, noch der einzige Infekt. Selbst ein heftiger grippaler Infekt kann, bei zu früher Belastung, eine Myokarditis auslösen. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen heilt sie komplikationslos aus. Solltet ihr aber Tage nach einem Infekt oder einer Impfung Kurzatmigkeit, Herzstolpern, geringe Belastbarkeit verspüren: Geht zum Arzt.

Deshalb mein Rat: LASST EUCH IMPFEN. Das Risiko von Nebenwirkungen steht in keinem Verhältnis zum Risiko der Erkrankung. Und nicht anzunehmende Langzeitschäden der Impfung sind nicht zu rechtfertigen gegenüber bewiesenen Langzeitfolgen von COVID19. Bei Fragen gerne melden.

Ansonsten: Danke fürs Lesen

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