Oft habe ich die Vermutung, dass es in der Persönlichkeitsentwicklung häufig(er) darum geht, ganz viel zu verlernen - und mitunter gar nicht so sehr darum, möglichst viel zu erlernen.

Viele wissen, wie Erfahrungen aus der Kindheit unsere zwischenmenschlichen Beziehungen prägen, wie sehr unser soziales Umfeld - und ja, auch unsere Genetik  - unsere Persönlichkeit, unser Verhalten und unsere Wahrnehmung beeinflussen.

Und gewiss tut sich da in den letzten Jahren eine ganze Menge - sowohl auf individueller Ebene, als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Bspw. die Art und Weise wie wir unsere Kinder "erziehen", bestehende Strukturen in Systemen hinterfragen,  Zusammenarbeit anders denken, ein Bewusstsein für Diversität und gender equality schaffen etc. Gleichzeitig sind wir in vielen der genannten Punkten erst am Anfang - es darf sich weiter entwickeln. Vieles. Ich sehe auch die Fallstricke, welche durch "alles darf sein" und "jede*r kann sein Potenzial leben" entstehen und stehe solchen "Pauschal-Aussagen" tendenziell kritisch gegenüber. Um nicht abzuschweifen, lautet meine verkürzte Antwort darauf: "Es ist komplex und höchst individuell." 🤓

Zurück zum verlernen. Eine sehr gute Voraussetzung dafür ist Neugierde. Denn die größten Blocker, um andere Perspektiven einzunehmen, Menschen zu verstehen und Neues zuzulassen, sind unsere vorgefertigten Meinungen, Glaubenssätze und Bewertungen (aka unser Ego). Also all jene Dinge, die wir meinen zu wissen: Über uns selbst, andere und die Welt.

Wenn die Intention unserer Interaktionen jene ist, zu erklären/beweisen, dass wir, unsere Weltanschauung, unsere Ideen, unsere Wahrnehmung richtig sind, vergeben wir die Chance, überrascht zu werden, Neues zu erfahren - über uns selbst, andere und die Welt.

Es überrascht mich selbst immer wieder, wie stark meine eigene Konditionierung (trotz langer Arbeit an dem Thema) ist. 😅 Ich habe mir deshalb angwöhnt, wenn immer mir etwas "befremdlich" vorkommt, mir Fragen zu stellen.

Wie bspw.:

  • "Warum nicht?"
  • "Woher kann ich das wissen?"
  • "Entspricht das meiner Wahrheit?"
  • "Was kann ich daraus lernen?"
  • ...

Neben der Tatsache, dass mich derlei Fragen viel über Toleranz und Demut lehren, spornen sie mich auch dazu an, meine eigenen Glaubenssätze zu hinterfragen, "selbst zu denken", mir eine (eigene) Meinung zu bilden. Sie helfen mir dabei, mehr von mir selbst zu leben, ohne andere zu limitieren. Ich glaube daran, dass Menschen sich sicher und wohlfühlen müssen, um ihr Potenzial erkennen zu können und leben zu wollen. 

Wenn es uns gelingt, mit weniger Bewertung und ergebnisoffen(er) an Situationen und Fragestellungen heranzugehen, schaffen wir einen Raum, in dem Menschen sich sicher genug fühlen, um verlernen zu dürfen. Verlernen - was sie glauben zu wissen. Von sich selbst, von anderen und über die Welt. 

Welche Fragen helfen dir beim Verlernen?

Ein kleiner Seitenschwenk in Richtung Potenzial: Ich bin bekennendes Fangirl des Gehirnforschers Prof. Gerald Hüther. Eine seiner Aussagen ist, dass "eigentlich alle Kinder hochbegabt sind". Was passiert aber danach und warum verlieren die meisten von uns so viel von ihrem Potenzial auf dem Weg zum Erwachsen sein? Eine mögliche Antwort gibt der Dokumentarfilm "Alphabet" aus dem Jahr 2013. Speziell - aber nicht nur! - für Eltern junger Kinder ein sehr interessanter Film. 

https://youtu.be/GInqHl8MnIU

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