In Fetzen

Manchmal reißt es dich auseinander,

um dich neu zusammenzusetzen.

Manchmal gehst du lange durch dunkle Täler,

um an den Fuß eines Berges zu gelangen.

Vielleicht legst du da eine Pause ein

legst dich hin, grad wie du bist,

zerrissen, in Fetzen.

Und wartest.

Auf einen Augenblick, der dir sagt:

Jetzt geht es weiter.

Und dann wird es anstrengend.

Denn es geht aufwärts.

Vielleicht weißt du nicht, wo es hingeht

bist unsicher, ob der Weg stimmt,

fühlst nur dich und deine Fetzen.

Und dann gehst du weiter.

Bist oben und spürst,

dass du ganz bist.

Wieder.

Ein Gedicht, das ich 2016 geschrieben habe. In der Zeit als meine Ehe auseinanderbrach und ich das einfach nicht wahrhaben wollte. Ich hab ein halbes Jahr lang die Augen davor verschlossen und wollte einfach, dass alles bleibt, wie es war. Aber weißt du, du kannst dich vor deinem Leben nicht verstecken. Nicht, wenn du es wirklich und wahrhaftig leben willst. Dann schaust du hin. Und nicht immer gefällt dir das, was du siehst. Und schon gar nicht, wenn du spürst, dass eine massive Veränderung ansteht. Dass du die alten Pfade verlassen musst, auch wenn sie sich so vertraut anfühlen. Dieser Moment der Erkenntnis ist es, wenn es dich in Fetzen reißt. So fühlt es sich an. Je fundamentaler die Entscheidung, die ansteht, desto krasser das Feeling. 

Aber am Ende ist es gut so. Es ist natürlich. Wir alle leben und erleben es. Und wir überleben. Wenn wir uns für uns entscheiden und weitergehen. Dann läufst du, nackig und verletzt, durch die Gegend. Weißt manchmal gar nicht, wie dir geschieht und was du da tust. Aber irgendwann bist du oben. Plötzlich wieder ganz. Ohne dass du es so richtig bemerkt hast. Und auf dem Weg nach oben bist du so dermaßen gewachsen. In eine neue Version von dir. 

Es ist gut so. 

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