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Hotelzimmer

Auf dem Bett, auf dem durchgelegenen Doppelbett liege ich, trinke abgestandenen Wein, sehe dich auf dem Balkon stehen. 

Du, auf die Brüstung gelehnt, schaust dem Vollmond zu, still, vollgesogen mit Licht. Deine Nacktheit schimmert. 

Du bist gekommen, weil ich gekommen bin, in deine Stadt. Online-Bekanntschaft, ich komme mit der Bahn, schrieb ich. Hotel ibis, Etage sieben, Zimmer achtundsiebzig. 

Wir küssten uns im Lift, auf der Fahrt nach oben. 

Im Zimmer hast du dich aufs Bett gesetzt, lächelnd. Das Bett ist ganz schön weich, sagtest du, ganz schön durchgelegen. Lass uns reden, hast du gesagt, lass uns reden. 

Ich machte den Wein auf, goss uns zwei Gläser voll. Du bist sehr schön, sagte ich. Mir gefällt dein Kleid, sagte ich. 

Du hast an dir runtergeschaut, verlegen. Hast den einen Träger zurechtgerückt, verlegen. Küss mich, hast du gesagt. 

Ich setzte mich zu dir, im Hotelzimmer in deiner Stadt, auf das durchgelegene Doppelbett, und küsste dich ganz vorsichtig. Deine Augen waren die Welt, in diesem Moment. 

Schmeckt dir der Wein, fragte ich. Schenk mir mehr ein. Ich machte dein Glas voll. 

Willst du mich, fragtest du da. Ich will dich. Ich zieh mich aus jetzt, ja? Machst du das Licht aus, ja? Ich machte das Licht aus. 

Das Mondlicht erhellte das Hotelzimmer, dein Haar silberner Wasserfall. Dein Kleid fiel still auf den Boden. Du standest da, schweigend, dein Atem in Stößen. 

Du kamst zu mir, ins kalte Hotelzimmerbett, zitternd vom Lufthauch, der durch die offene Balkontür ging, du schlüpftest zu mir unter die Decke, aufgeregt. Ich umarmte dich, ich streichelte dich. Und versank in dir, endlich. 

Jetzt liege ich da, auf dem Bett, dem durchgelegenen Hotelzimmerbett, trinke abgestandenen Wein und beobachte, wie dich der Mond liebt. 

Ist noch mehr Wein da, rufst du. Jede Menge, rufe ich. Du bist wieder im Zimmer. Willst du mich? Ich will dich.

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