Liebe Leser:innen,

das australische Graphikdesign-Unternehmen Canva hat in einer neuen Finanzierungsrunde gerade 200 Mio. Dollar eingesammelt und wird jetzt mit 40 Mrd. Dollar bewertet. Damit ist Canva eines der wertvollsten Privatunternehmen der Welt.

Warum ich euch das schreibe? Weil der Kopf hinter Canva eine Frau ist. Melanie Perkins entwickelte die Idee für Canva während ihres Studiums und baute das Unternehmen dann mit ihren Partnern Cliff Obrecht und Cameron Adams auf.

Damit sind wir schon mittendrin im Thema: Nachdem ich in vergangenen Ausgaben mal auf die Mitbestimmung von Frauen und LGBTQIA+ Menschen bei großen deutschen Unternehmen geschaut habe, habe ich euch diesmal Beispiele für deutsche Unternehmen gesammelt, bei denen Frauen und LGBTQIA Personen komplett das Heft in der Hand haben. Noch ein Hinweis, der Vollständigkeit halber: Ich bekomme kein Geld dafür, die nachfolgenden Unternehmen zu erwähnen und die Erwähnungen stellen auch keine Handlungs- oder Kaufempfehlung dar. Ob und wen ihr mit euren Kaufentscheidungen unterstützen wollt, bleibt ganz allein euch überlassen.

💶 Bei Madame Moneypenny dreht sich alles um die finanzielle Freiheit für Frauen. Nachdem sie selbst durch schlechte Beratung knapp 18.000 Euro verlor, nahm Natascha Wegelin das Thema 2015 selbst in die Hand. Heute ist Wegelin Mentorin, Autorin, Finanzcoach und Podcasterin.

⚕️Spätestens in der Corona-Krise haben wir gelernt, wie bequem und nützlich es sein kann, medizinische Probleme digital mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen. Den richtigen Riecher hatte Katharina Jünger: Sie baute mit TeleClinic einen Anbieter für Telemedizin auf – heute der Marktführer in Deutschland.

🩲 Eine nachhaltige Alternative zu Wegwerf-Periodenprodukte ist die Geschäftsidee von Kati Ernst und Kristine Zeller. Die beiden mit ooia brachten Periodenunterwäsche nach Europa. Mittlerweile haben sie über 400.000 Produkte verkauft und jüngst auch einen Still-BH entwickelt: 

👩🏼‍⚖️ Dass die Rechtslage LGBTQIA+ Personen und Frauen in Deutschland noch immer benachteiligt, ist kein Geheimnis. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass sich Anwälte auf die Belange von Klientinnen und queeren Menschen spezialisieren. Katja Dunkel und Rebecca Richter unterstützen sie mit ihrer Kanzlei Dunkel Richter

🍼 Claus Hipp mag mit seinem Namen für Babybrei stehen, aber Sandra Peralta hat er nicht überzeugt. Die Mutter zweier Kinder und Catering-Chefin kochte selbst Babybrei für ihren Nachwuchs und war überrascht, wie sehr der sich im Geschmack vom Gekauften unterschied. Mit ihrer Gastroerfahrung entwickelte sie ein Hochdruckverfahren bei der Zubereitung von Babynahrung, den sie jetzt mit ihrem Unternehmen Little Leaf vertreibt.

❤️ Jaska Brnjakovic träumt von einer Welt voller glücklicher Frauenpaare. Als Single mit beiden Beinen im Leben und im Beruf war sie so von herkömmlichen Datingsapps frustriert, dass sie 2018 kurzerhand ihre eigene entwarf. Ihre Online-Datingplattform Aquema kommt ohne Swipen nach links und rechts aus und will Frauen helfen, die Frau fürs Leben zu finden.

🚲 Als sie im Sommer 2015 ein Flüchtlingswohnheim besuchte, sah Shahrzad Mohammadi die Männer draußen Fußball spielen, während die Frauen überwiegend drinnen saßen. Der Sportwissenschaftlerin kam die Idee, die Frauen ebenfalls in eine Aktivität einzubinden – eine, die ihnen Freiheit verschafft: Gemeinsam mit den Sportwissenschaftlerinnen Lena Pawelke und Clara Speidel gründete sie 2017 das Sozialprojekt Bike Bridge, das Mädchen und Frauen mit Fluchterfahrung das Radfahren beibringt. 

🥒 Die Österreicherin Lea Green arbeitete jahrelang als Fernsehjournalistin, aber ihre Leidenschaft ist die vegane Ernährung. Seit 2013 betreibt sie ihren Foodblog veggies, entwickelt Rezepte, schreibt Kochbücher und entwickelte mit Vegan en Vogue ein eigenes veganes Magazin. Im Coronajahr 2020 hat sie den Tagesjob aufgegeben und widmet sich seitdem ganz ihrer Liebe für alles Vegane.

Mir ging es mit der kleinen Recherche vor allem darum zu zeigen, dass es sie gibt: Die queeren Chef:innen und die Unternehmerinnen, die sich mit ihren Ideen selbständig gemacht haben und damit erfolgreich sind. Nicht jede Geschäftsidee muss ein Millionen- oder Milliardenbusiness werden. Auffällig ist, dass viele Unternehmen, auf die ich bei der Recherche gestoßen bin, eine Ungerechtigkeit auflösen oder eine Versorgungslücke füllen wollen – sie machen unsere Welt gerechter und diverser. Und das ist am Ende der wahre Wert eines Unternehmens.

Bis zur nächsten Ausgabe, Jasmin

Mit Pumps bis in die Tiefgarage: Sie lud ein Bild von sich in Frauenkleidung hoch und flog dann in den Urlaub: Georgine Kellermanns Coming Out kam nach einem unerwarteten Zusammentreffen mit einer Kollegin am Flughafen. Im Interview spricht sie über ihren Weg dahin, öffentlich als trans Frau zu leben, wie ihr Beruf als TV-Journalistin ein früheres Coming Out verhinderte und was sie über Anfeindungen und Feministinnen denkt, die sie nicht als Frau anerkennen. (taz

Amerikas berühmtestes Baby: In den USA steht das Recht auf Abtreibung mehr denn je auf der Kippe: der U.S. Supreme Court könnte es in seiner kommenden Sitzungsperiode kippen. Die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen geht auf den berühmten „Roe v. Wade“-Fall von 1973 zurück. Doch das „Roe-Baby“ wurde nie abgetrieben – es kam sogar noch vor der Urteilsverkündung zur Welt und wurde zur Adoption freigegeben. Nach jahrzehntelangem Schweigen spricht Shelly Lynn Thornton über ihr Leben im großen Schatten dieses bedeutenden Urteils. (The Atlantic)

Smarte Selbsthilfe: Viele Frauen fürchten sich beim Heimweg im Dunklen vor Übergriffen. Sie bewaffnen sich mit ihrem Schlüssel, tun so als würden sie telefonieren oder nehmen doch lieber gleich ein Taxi. Die Berlinerin Susana Gomez entwickelte deshalb ein Armband, ein Modestatement mit Alarmfunktion: Der Armreif gibt entweder einen lauten Ton ab, um Angreifer abzuschrecken, oder versendet im Notfall einen stillen Alarm und Standortdaten, um Hilfe zu alarmieren. (SZ)

Madame la Présidente? Anne Hidalgo hat als Bürgermeisterin von Paris eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Autos und Fahrradspuren eingeführt und will Autos demnächst ganz aus der französischen Hauptstadt verbannen. Jetzt hat sie ihre Kandidatur für die französische Präsidentschaft bekannt gegeben. Sie wäre die erste Frau im Präsidentschaftsamt und die erste Amtsträgerin, die im Ausland geboren wurde. Ein Blick darauf, vor welchen Herausforderungen sie steht. (New Statesmen)

Ausgeschlossen von der 9/11-Nachsorge: „Dust Lady“, ein berühmtes Foto vom 11. September 2011, zeigt die Bankangestellte Marcy Borders nach den Terroranschlägen vollkommen bedeckt mit Staub der eingestürzten Twin Tower. Marcy Borders starb 2015 mit nur 42 Jahren an Magenkrebs. Sie ist eine von zahlreichen Menschen, die nach den Anschlägen in New York gesundheitliche Probleme oder schwere Krankheiten entwickelten. Doch der 2011 eingerichtete Hilfsfonds, der Finanzhilfe bei gesundheitlichen Folgen von 9/11 leistet, versorgt Frauen nur unzureichend, weil er Krebsformen wie Gebärmutterhalskrebs nicht als Spätfolge anerkennt. (The Cut)

Hör- und TV-Tipps

🎧 Ermordete Umweltschützerin: Fikile Ntshangase kämpfte in Südafrika gegen die Erweiterung eines Tagebaus. Ntshangase war sehr aktiv in ihrer Gemeinde. Sie musste mitansehen, wie sich durch den nahe gelegenen Bergbau die Umwelt veränderte: Bäume verdorrten, das Wasser war nicht mehr sauber – und stellte sich deshalb entschlossen dem Tagebaubetreiber entgegen. Im Oktober vergangenen Jahres wurde sie deshalb in ihrem Haus ermordet. Der Guardian erzählt ihre Geschichte und wirft ein Licht darauf, wie viele Menschen ermordet werden, weil sie ihr Land und ihre Umwelt verteidigen. (The Guardian)

📺 Gegen Rollenklischees, Sexismus, Transfeindlichkeit: Ariana Alter reist für ihre Doku durch Deutschland und geht der Frage nach: Was tun für Geschlechtergerechtigkeit? Sie trifft diskriminierte Mütter und lesbische Frauen, von Armut bedrohte Alleinerziehende und angefeindete trans Frauen. Alter sammelt konkrete Forderungen wie Mutterschutz und Kündigungsschutz für schwangere Freiberuflerinnen bis Aufrufe für mehr Empathie statt Egoismus. (ZDF

📺 Die Hände selbst am Steuer: Mit Mitte 50 entschloss sich Su Min, dem Missbrauch ihres Ehemanns zu entfliehen. Seitdem fährt die Chinesin mit dem Autos durchs Land und widersetzt sich mit ihrem Solo-Roadtrip der Vorstellung, die Frau habe Mann, Kinder und Haushalt zu versorgen: „Wenn ich das Lenkrad in der Hand habe, fühle ich mich frei.“ Su Min begann ihre Reise zu streamen und wurde beinahe über Nacht zur feministischen Ikone in China. Auch einige ihrer Freundinnen folgten ihrem Beispiel. (The Guardian)

Du kannst HerStory auf Twitter und Instagram folgen.

Wenn du die Arbeit an HerStory und TheirStories für mehr Sichtbarkeit von FINTAs unterstützen möchtest, kannst auf das auf Steady tun.

Wurde dir dieser Newsletter weitergeleitet? TheirStories bringt dir jeden zweiten Samstag Geschichten rund um FINTA-Wegbereiter:innen. Hier abonnieren!

Kommentare sind nur für Mitglieder zugänglich. Nimm an der Diskussion teil …