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Die Inderin Jannat Ali ist eine der bekanntesten trans Frauen ihres Landes. Nach ihrem Coming Out realisierte sie, vor welchen Herausforderungen und mit welchen Vorurteilen sich trans Menschen in der indischen Gesellschaft konfrontiert sehen. Ali, die einen MBA-Abschluss hat, sieht ihre Bildung nicht nur als Privileg, sondern auch als Verpflichtung, sich für ihre Community einzusetzen. Sie sagt: „Mein Kampf hilft, den Weg für andere zu ebnen.“

Und dabei gibt sie Vollgas: Ali engagiert sich mit der transgender Organisation Khawaja Sira Society für eine bessere Gesundheitsversorgung, Menschheitsrechte und bessere Aufklärung für die transgender Community. Sie ist Geschäftsführerin der Organisation Track T, einer transgender Organisation in der indischen Großstadt Lahore. Track T organisierte im Dezember 2018 den allerersten trans Pride March in Pakistan. 500 Menschen nahmen daran teil.

https://youtu.be/fV3DU3PtC0o

2018 half Ali mit, das Transgender Rights Gesetz in Indien auf den Weg zu bringen. Es erlaubt trans Personen in Indien, ihr Geschlecht in ihren Ausweispapieren anpassen zu lassen und verbietet Diskriminierung aufgrund ihrer trans Identität. Jetzt hilft Ali aktiv dabei mit, die Gesetzgebung in ihrer Stadt Lahore weiter mitzuformen.

Als Performance-Künstlerin nutzt sie den traditionellen indischen Tanz Khatak, um geschlechtsspezifische Gewalt zu thematisieren. Und seit Kurzem sorgt sie als erste trans Moderatorin Pakistans auf Youtube und Instagram mit ihrer Show „Journey with Jannat“ für mehr Sichtbarkeit von trans Menschen in Indien.

Sie nimmt bereits die nächste Aufgabe in den Blick: Die Umsetzung der neuen trans Gesetze in ländlichen Regionen. Vor allem in der Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan, die von Stammes-Gemeinden geprägt ist, zeigt die indische Regierung bisher wenig Engagement, aufzuklären und die neuen Gesetze zu implementieren.

Ali sorgt sich nach der Machtübernahme der Taliban im Nachbarland Afghanistan außerdem um die Sicherheit der dort lebenden LGBTQIA Personen. Viele von ihnen sind über die Grenze nach Pakistan geflohen. Und obwohl sie schon ein umfangreiches Arbeitspensum hat, wird sie auch diese Mitglieder ihrer Community nicht im Stich lassen.

Bis zur nächsten Ausgabe, Jasmin

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Jung, weiblich, queer, jüdisch: Helene Shani Braun wird bald Deutschlands jüngste Rabbinerin. In ihrem „Grundkurs Judentum“ bringt sie Jüdinnen und Juden die gemeinsame Religion näher. Auf ihrem Instagram-Feed zeichnet sie ein neues Bild von jungem, jüdischem Leben, zu dem auch Queerness dazugehört. Ein Protokoll. (SZ, Plan W) Sexuelle Bildung in der arabischen Welt: Nour Emam betreibt eine der führenden Plattformen für sexuelle Bildung für Frauen in der arabischen Welt. Sexualität ist ein tabuisiertes Thema. Deshalb setzen sich eine Reihe von Aktivistinnen wie Emam dafür ein, Tabus und Mythen zu überwinden, damit  Frauen ihre Körper besser verstehen und sich nicht für ihre Weiblichkeit schämen. (New York Times) Erschöpft von der Emanzipation: Frauen haben sich mehr Gleichberechtigung als früher erkämpft, aber damit ist ihre To-Do-Liste eher länger als kürzer geworden. Zum Beruf kommt die Care Arbeit und Gefühlsarbeit: Frauen sorgen dafür, dass zuhause oder im Job Harmonie besteht. So rundum gefordert zu sein, saugt Energie. Soziologin Franziska Schutzbach spricht im Interview über ihr Buch „Die Erschöpfung der Frauen“: „…das Bild von der unabhängigen, selbstbestimmten Powerfrau ist von den meisten gar nicht umsetzbar.“ (Der Standard)

Schnee und Schlittenhunde: Blair Braverman wurde in Kalifornien geboren, ging in Norwegen zur Schule und ist heute Schlittenhundeführerin in Alaska. Sie absolvierte 2019 das legendäre Iditarod-Rennen, das längste Hundeschlittenrennen der Welt. Im Interview spricht sie über das Rennen, die Ausbildung als „musher“ (Schlittenhundeführerin) und ihre Beziehung zu den Schlittenhunden. Ihr könnt das Interview lesen oder als Podcast hören und von einem wilden Ritt durch Alaska träumen. (NPR) Whistleblowerin und Aktivistin: Ifeoma Ozoma warf ihrem Arbeitgeber Pinterest vergangenen Sommer gemeinsam mit ihrer Kollegin Areica Shimizu Banks Rassismus und Sexismus vor. Dafür mussten die beiden gegen ihre Geheimhaltungsvereinbarung mit Pinterest verstoßen. Der Prozess, ihren Ex-Arbeitgeber zur Verantwortung zu ziehen, war nicht einfach. Doch Ozoma nutzt ihre Erfahrungen nun, um künftigen Whistleblower:innen den Weg zu ebnen und die Gesetzeslage zu ihren Gunsten zu ändern. (New York Times) Hör- und TV-Tipps:

🎧 #WhereIsPengShuai: Anfang November warf die Tennisspielerin Peng Shuai einem hochrangigen chinesischen Politiker in einem Social-Media-Beitrag sexuellen Missbrauch vor. Dann verschwand sie wochenlang spurlos. Sportverbände und die Öffentlichkeit machten Druck auf China. Mit Fotos und einem angeblichen Statement von ihr versuchte die Staatsführung zu beweisen, dass es ihr gut geht. Shuai hat sich mit einem #MeToo-Vorwurf aus der Deckung gewagt – ihr Fall zeigt auch, warum es die Bewegung in China so schwer hat. (Today in Focus, The Guardian) 📺 Mehr Chancen für Mädchen: Theresa Kachindamoto steht als ländliche Herrscherin 540 Dörfern in Malawi vor. Beinahe die Hälfte der Mädchen Malawis heiratet noch vor ihrem 18. Geburtstag. Kachindamoto nutzt ihre Position, um Mädchen zu helfen: Sie hat über 2500 Kinderehen aufgelöst und die Mädchen wieder zur Schule geschickt – und sie verbot als erste die Tradition der „Hyänen“, die pubertierende Mädchen im Auftrag der Eltern vergewaltigen, um sie rituell zu „reinigen“. (Arte) 📺 Frau, Mann, divers: Vorstellungen von Geschlecht und verschwimmende Grenzen sind gerade ein heiß diskutiertes Thema. Oft wird dabei über die betroffenen Menschen gesprochen aber nicht mit ihnen. Der Beitrag lässt sie zu Wort kommen, darunter Nyke Slawik und Linus Giese. (aspekte, ZDF)

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