HADRIAN - LESEPROBE

Der erste Tropfen

Hadrian fiel auf die Knie.

Die sengende, blendend weiße Sonne hatte ihren höchsten Punkt erreicht und brannte nun ungehemmt und unnachgiebig auf seinen nackten, ausgetrockneten Körper, der an diesem Punkt nachzugeben schien. Er konnte nicht mehr.

Hadrian schlug seinen Kopf auf das sandige Feuermeer und drückte seine Stirn in den glühenden Sand, breitete die Arme aus, bereit vollends zu verdörren.

Seine Hände zitterten auf dem stechend heißen Wüstensand. Er ballte sie zu Fäusten, drückte fest zu, presste die Körner tief in seine rissige Haut.

Er war sich sicher irgendetwas zu hören, was sich unter seinem Kopf zu bewegen schien, ein weiches, fremdes tröpfeln, ein unbekanntes surren.

Nein.

Da war noch mehr.

Es war ein Rauschen, das lauter wurde je stärker er sich auf dessen Ursprung konzentrierte.

Er schloss die Augen und blickte in eine tiefblaue Struktur, ein kühles, fließendes Azurgewebe, das sich wie ein Spinnennetz hinter seinen Lidern aufzubauen begann,

in dem er mit jedem weiteren Herzschlag immer tiefer versank.

Ein Beben. Er riss die Augen auf. Irgendetwas war geschehen.

Eine unbekannte Kraft durchströmte ihn mit einer frischen, glasklaren Stärke. Der Sand unter seinem Körper wurde feucht und kühl, wurde nass. Hadrians Hände zogen irgendetwas aus dem Sand als er sie über seinen Kopf riss.

Eine Fontäne kalten, klaren Wassers brach aus dem Wüstensand hervor und schoss pfeilschnell in die Höhe, dann noch eine und noch eine.

Ein wunderbarer Regen aus kleinen, kristallenen Tropfen legte sich kühlend auf seine flammengebadete Stirn.

KLATSCH!

Hadrian schreckte hoch und schüttelte sich. Er saß aufrecht im Bett und war klitschnass. Ein unangenehm prickelnder Salzgeschmack pulsierte auf seiner Zunge und in seinem gesamten Mund.

„Anders kriegt man dich ja mittlerweile nicht mehr wach.“ meckerte eine freche, hohe Fiepsstimme neben ihm.

Er rieb sich die Augen, die von Salzwasser brannten und blickte sich schlaftrunken um.