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Lieber scheitern, als gar nichts machen

Morgen erscheint eine neue Folge des Goficastes! Zu Gast ist die Schauspielerin, Autorin und Beraterin Bettina Becker aus Magdeburg. Einen kleinen Auszug unseres Gespräches kannst Du heute schon lesen:

Bettina: Ich merke, wenn ich selber Theater spiele, dass ich viel  mehr zu den Rollen neige, wo ich das spielen kann, was ich im Alltag  nicht bin. Wir sagen immer im Spaß: ‚Wir haben hier unsere kleine  Therapiegruppe.‘ Wenn ich Impro-Theater spiele, spiele ich ungern die  freundliche Pädagogin. Das versuche ich ja schon im Alltag zu sein. Ich  schaue lieber, was es noch für Möglichkeiten gibt: Von Trauer über Wut  zu Gehässigkeit oder auch mal der Superheld sein. Das ist alles möglich!  Das ist für mich Theater. Ich selber entdecke mich durch das Theater  immer wieder neu, entdecke neue Facetten an mir, was ich sein möchte  oder was meine Grenzen sind.

Gofi: Profitierst du davon?

Bettina: Voll! Theater ist für mich Arbeit, aber auch Erholung, Freizeit, Horizonterweiterung.

Gofi: Was lernst du über dich?

Bettina: Dass auch bei mir alles möglich ist und in mir alles steckt.  Am meisten lerne ich durch die Dinge, bei denen ich zögere. Wenn ich  also etwas nicht spielen möchte und mich hinterher frage, warum das so  ist. Ich profitiere auch ganz viel von meinen Mitspielern, weil ich  merke, wie sie mich immer wieder herausfordern, über meine Grenzen zu  gehen. Dabei lerne ich aber auch, wo ich Grenzen habe, und sagen muss:  Das möchte ich nicht spielen!

Gofi: Du würdest dann also den sicher abgesteckten Rahmen verlassen, würdest die Rolle verlassen? Oder was wäre da das Problem?

Bettina: Genau! Ich gehe dann aus der Rolle heraus. Es gibt Szenen,  die würde ich nicht im Impro-Theater spielen, sondern die würde ich  inszenieren. Da hat man dann ein Drehbuch und weiß, wie man mit der  Situation umgeht, weil es vielleicht ein sehr sensibles, heikles Thema  ist. Andere würden das vielleicht anders sehen, aber ich würde das in  meinem Fall dann so halten.

Gofi: Ist Impro-Theater nur für die Schauspieler schön oder auch für die Zuschauer?

Bettina: (lacht) Ich hoffe, dass es auch für die Zuschauer schön ist!  Für die ist es ein ganz anderes Erlebnis, als das inszenierte Theater.  Ich selber gehe gerne ins Theater. Wenn ich ins inszenierte Theater  gehe, dann weiß ich, was passiert, dann kann ich mich drauf einlassen,  kann ein bisschen passiver dasitzen und habe einen ganz anderen  Anspruch. Das Impro-Theater lebt ja von dem Moment, ich lebe als  Zuschauer davon, dass ich zusehe, wie der Schauspieler teilweise auch  scheitert, wie jetzt im Moment die Geschichten entstehen. Ich kann  selber auch Vorgaben mit eingeben. Ich bin also viel beteiligter, viel  näher. Dadurch ist es noch mal ein ganz anderes Erlebnis. Das kann man  nicht gegeneinander ausspielen. Impro-Theater ist eben mehr geprägt vom  Risiko, vom Scheitern, vom Miteinander-Lachen, vom Moment.

Gofi: Das ist schon sehr mutig, sich so vor Leute zu stellen und zu sagen: Das mache ich jetzt mal so! Oder?

Bettina: Auf der einen Seite ist es mutig, auf der anderen Seite  machen wir das den ganzen Tag. Bei diesem Interview improvisieren wir  beide ja auch. Das Schöne am Theater ist, dass das jeder weiß. Du  brauchst das Vertrauen in dich und deine Mitspieler. Das Entscheidende  ist, darauf zu bauen, dass da schon was kommen wird, dass da etwas ist,  dass sich zeigen wird. Es hat bei uns schon schlechte Szenen gegeben,  Szenen, die so misslungen sind, dass sie mir hinterher auch noch  nachgingen. Doch das gehört dazu. Das Scheitern und Fehlermachen gehört  genauso zum Impro-Theater, wie diese Erfolgserlebnisse, bei denen man  denkt: ‚Mann, war das ne geile Szene, wo kam die denn her?‘

Gofi: Ich denke gerade an meinen Freund Jay, mit dem ich den Podcast  ‚Hossa Talk‘ mache. Manchmal treten wir auch vor Leuten auf, setzen uns  auf die Bühne und sagen den Zuschauern: ‚Fragt uns!‘ Wir müssen dann  spontan darauf antworten. Und du hast völlig Recht: Wir haben öfter  diesen Moment, wo wir sagen, wow, wo kam das denn her? Manches ist auch  echt schlecht und banal, was wir sagen. Aber manchmal kommt da etwas zum  Vorschein, von dem wir vorher gar nicht gewusst haben, dass wir es  wissen.

Bettina: Genau! Das ist im Prinzip dasselbe. Natürlich trainieren wir  auch. Wir trainieren jede Woche drei Stunden, lernen uns kennen als  Team und entwickeln gewisse Ideen über Storytelling und die Frage, wie  man eine Figur entwickelt. Die Grundlagen müssen natürlich da sein. Doch  wie es dann letztlich läuft, das ist dem Moment überlassen.

Die Webseite der Theatergruppe findest du hier: https://www.tapetenwechseltheater.de/

Die Webseite der Villa Wertvoll, in der Bettina arbeitet, findest du hier: https://www.villa-wertvoll.de/

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