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Stillstart | Ein paar Gedanken und Erfahrungen

Neben den vielen Rollen die man im Leben einnimmt, durfte ich vor einigen Monaten die Rolle als Mutter dazu gewinnen. Ich empfinde das als ein so wunderbares Glück. Neben den Momenten auf die man sich im Vorwege so sehr freut, gab es aber auch einige Erfahrungen, mit denen ich so nicht gerechnet habe - auf die ich gerne besser vorbereitet gewesen wäre. Einige Wochenbetterkenntnisse, die den Stillstart mit einschließen, gehörten dazu.

Eine gewisse Vorstellung über das Wochenbett war natürlich vor der Geburt vorhanden. Diese Vorstellung war geprägt von Erfahrungsberichten aus dem Freundes- und Familienkreis und der Hebamme, durch den Geburtsvorbereitungskurs, Büchern und der eigenen Vorstellungskraft. Es kamen also ziemlich viele Bilder zusammen die eine Erwartung an mein Wochenbett schufen. Das mein Mann mindestens drei mal pro Tag und Nacht das Bett neu beziehen muss, ich ungefähr fünf mal am Tag duschen gehen werde und die Milch fontänenartig das Schlafzimmer flutet war zum Glück nicht der Fall. Nach derartigen Warnungen haben wir damit gerechnet. Was jedoch zutraf war die Wichtigkeit, dass das Wochenbett unbedingt eine Zeit der Ruhe ist. Das es das Wichtigste und Wertvollste ist, Menschen die man da haben möchte um sich zu wissen und Hilfe einzufordern und annehmen zu können. Es ist eine Zeit des Ankommens. Nichts anderes sollte zu dieser Zeit stattfinden.

Sechs bis acht Wochen dauert das Wochenbett an? Ja, ja und noch mal ja! Natürlich reicht manchen weniger Zeit und andere nehmen sich mehr Zeit. Aber erst während des Wochenbetts verstand ich, warum es als „Kennlernzeit“ beschrieben wird. Und wie gut es tut, die Ruhe zu haben sein Baby, sich selber als Mutter und als Familie kennen lernen zu können. Das Neugeborene braucht so viel Geborgenheit - das überraschte mich nicht. Das wusste ich. Aber ich selber brauchte sie eben auch. Nur das ich nicht damit gerechnet habe. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich sie bekam.

Diese so wertvolle Ruhe und Geborgenheit brauchten wir neben dem Kennenlernen auch für die körperliche und emotionale Erholung, das viele Schlafen und aber auch das Stillen.

Stillen ist etwas so wundervolles. Es ist etwas ruhiges, warmes, nahes. Es ist die optimale Ernährung die der Körper für das eigene Baby schafft. Es sorgt für eine innige Beziehung und bringt so viele wunderbare Vorteile mit sich. Es ist aber auch herausfordernd. Es ist anstrengend. Und es klappt oft nicht einfach von alleine oder Anfang an. Und das ist okay. Denn wir haben keine Stillkultur mehr, in der es normal ist andere Frauen beim Stillen zu beobachten und von ihnen zu lernen. Stillen in der Öffentlichkeit ist nach wie vor für viele nicht üblich. Leider. Und auch bei stillenden Freundinnen fühlte ich mich manches Mal ertappt, wenn ich zusah und vorher nicht ausgesprochen war, dass das kein Problem ist.

Erst im Nachhinein wurde mir so deutlich klar, dass man das Stillen in einer Kultur wie der unseren lernen muss und nicht schon durch alltägliche Begegnungen verinnerlicht.

Bei mir entstand erst nach einigen Wochen ein wirklich wohliges Gefühl beim Stillen. Ich wurde geübter, unser Baby auch. Es entstand das Gefühl, was ich mit dem Stillen verbinde und vorhergesagt bekommen habe. Geborgenheit, Ruhe und Zufriedenheit waren aber keinesfalls von Beginn an des Stillens da. Stillen braucht Zeit und Geduld, das hätte ich in diesem Ausmaß gerne vorher gewusst.

Erst nach zehn Wochen Mutter sein, Stillende sein, fing die Stillzeit für mich an wirklich rund zu werden. Das Wochenbett ist eine Zeit des Ankommens - in unserer wirklich stimmigen Stillbeziehung bin ich erst danach angekommen und stille nun weit über die Zeit hinaus, die ich erwartet habe. Welch ein Glück, diese Erfahrung machen zu können.

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