3. Kapitel

Lisa

„Meinst du wir können das Fräulein wecken?“ „Nein, nein… nein, nein.“ „Aber wir müssen gehen, wir müssen das Fräulein in Sicherheit bringen.“ „Ja, ja… ja, ja. Was machen wir denn da?“ „Wir könnten das Fräulein wecken.“ „Nein, nein… nein, nein. Das wär nicht fein.“

Lisa dreht sich um und lässt die Augen geschlossen. Wenn irgendjemand sie wecken will, muss man sich schon mehr einfallen lassen. Sie seufzt zufrieden und kuschelt sich tiefer in ihre Decke.

Sie hört wie um ihr Bett herumgewuselt wird und die zwei Stimmen näher kommen. „Aber wir haben den Auftrag sie sicher zum Sumpfschloss zu bringen. Dafür muss sie wach sein.“ „Ja, ja, das ist klar. Nun gut, nur Mut.“

Lisa hört ein vorsichtiges Quaken. Sie muss schmunzeln, so verrückt hat sie ihren Wecker lange nicht mehr in ihren Traum eingebaut. „Fräulein Lisa, wollen Sie nicht aufstehen?“ Lisa macht: „Hmpf“. Wer sagt heutzutage denn noch Fräulein? Was für ein Quatsch.

Etwas nasses glibberiges berührt ihren Arm, sie reißt erschrocken die Augen auf und setzt sich auf. Das kann kein Traum sein, zu echt fühlt sich die feuchte Spur auf ihrem Arm an. Vor ihrem Bett stehen zwei Wesen mit riesigen neugierigen Glubschaugen und sie sieht noch wie eine lange rote Zunge in den Mund des einen zurückschnellt. Die beiden Wesen sind vielleicht so groß wie ihre Beine lang sind und sie sehen aus wie die etwas missglückte Mischung aus Kröte und Mensch. Sie stehen aufrecht und trotz der Glubschaugen und dem weiten Maul, haben sie ein menschlich wirkendes Gesicht. Ihre langen Beine sind angewinkelt und ihre Arme enden in knorpeligen Fingern, zwischen denen Schwimmhäute sind. Sie tragen beide so etwas wie einen Frack mit einem langen Teil hinten, das bis auf den Boden reicht. Die beiden Kröten sehen identisch aus, der eine hat aber am rechten Ohr ein Metall, ähnlich wie ein Ohrring.

„Ich bin Suppe“, sagt die Kröte mit dem Ohrring. „Und Süppchen ist mein Name, stets zu Ihren Diensten, werte Dame“, ergänzt die Kröte neben ihm.

Lisa muss schmunzeln über diese Namen und die lustigen Wesen, wie sie vor ihr stehen.

„Fräulein Lisa, wir müssen uns beeilen, es ist nicht sicher hier für Sie. Schloss Lagiton ist für unsereins sehr gefährlich“, sagt Suppe und blickt ängstlich zur Tür. Schloss Lagiton? „Wieso Schloss Lagiton? Wir sind doch in meinem Zimmer. Außerdem ist es mein Traum, ich kann hier bestimmen und ich sage wir bleiben hier. Ich bin müde und will noch weiter schlafen“, antwortet Lisa und ist kurz davor sich wieder hinzulegen. „Nein nein, Fräulein Lisa, also ja, ja. Sie sind in ihrem Zimmer, das ist klar, aber es kommt noch schlimmer: Ihr ganzes Zimmer ist nimmer dort, wo es war. Sie sind fort, an einem anderen Ort!“ Süppchen spricht immer schneller und wirkt von Wort zu Wort panischer. „Ok, ich habe keine Ahnung was du da redest und die Reime machen es auch nicht besser“, gibt Lisa genervt zurück. Sie schaut Suppe an und glaubt aber auch da nicht, dass sie von diesem Wesen mehr Hilfe bekommen kann. Wer heißt schon Suppe?? „Sie sind nicht Zuhause, Fräulein Lisa. Sie sind hier in Ramshut und wir brauchen Ihre Hilfe!“, sagt Suppe und schaut sie traurig an.

Lisa wartet immer noch darauf, jede Sekunde aufzuwachen. Aber es ist komisch, es fühlt sich alles so real an... „Ooook, gut“ seufzt Lisa und wendet sich den beiden Wesen zu. Sie beschließt, dass es einfach ein Traum ist und wenn man schon so träumt, dann kann man ja mitmachen. Oder?

„Wobei braucht ihr denn Hilfe?“ Fragt sie und schaut die beiden Krötenwesen fragend an.

„Der Kampf mit den Drachenmenschen hört nicht auf. Es gibt nur noch so wenige Krötenhexer und Krötenhexerinnen. Wir schaffen es nicht alleine“, berichtet Suppe und schaut sie resigniert an. „Und wieso sollte ausgerechnet ich euch helfen können?“, fragt Lisa.

„Sie sind eine Krötenhexe! Eine mächtige noch dazu! Helfen Sie uns die Drachenmenschen zu besiegen!"

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