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Dahin gehen, wo es anderen weh tut! Creamspeak - jetzt auch zum Lesen!

 

Kino

Die Kunst stirbt. Das ist Fakt. Und mit Kunst meint der geneigte Leinwand-Connoisseur natürlich das Kinoerlebnis. In einkaufzentrumsgroßen Konsumtempeln mit bis zu 20 dekadent eingerichteten Kinosälen kommen im Jahr 2018 täglich tausende popcornknuspernde und Nacho mit Käsesoße fressende Kulturbanausen wie ich zusammen, um laute knallbunte Hollywood-Streifen zu konsumieren. Fast-Food Unterhaltung ist hier das gesuchte Stichwort. Gewollt ist das 360-Grad-Erlebnis aus ballaststoffarmer Ernährung, kratzigem Kinosesselstoff und crossmedialer Marketingkampagne. Ob man bei solch einem Sittenverfall schon immer der gehobenen Bildungsschicht angehört oder sich mit eigener intellektueller Kraft aus prekären Verhältnissen an die Spitze einer privaten Vollbank gearbeitet hat, spielt hierbei keine Rolle. Die Kunst stirbt und alle, die sich dieser Tragödie bewusst sind, sitzen im gleichen morschen Boot und die an den Planken knabbernden, ihre schleimigen Tentakel wetzenden Kraken heißen karamellisiertes Popcorn und emulgatorbestäubter, geriffelter Kartoffelchip.

Umso erfreulicher, dass es wieder Oasen der gesitteten Unterhaltung gibt. Kleininvestoren realisieren zunehmend: Der Cineast lebt, er fristet nur ein Schattendasein und vegetiert, sich seiner Filmliebe schämend bewusst, auf abgesessenen Designersofas vor dem heimeligen Streamingportal (Netflix ist hier gemeint) dahin. Aber viel wichtiger: Er ist bereit, das fleißig Ersparte in die leeren Kassen der Programmkinos zu spülen oder wenigstens die Grenzen des Dispokredits auszureizen, um wieder in Sphären kulturellen Hochgenusses vorstoßen zu können.Ein solches Beispiel exquisiter Abendunterhaltung findet sich in der Rheinmetropole Köln im Residenz-Kino wieder. Wo einst ein altes Programmkino französisches Filmgut auf kleiner Leinwand präsentierte, hat sich das Management der Astor Film Lounge gedacht, dass sich Literatur-Masterstudenten und Medizin-Professoren viel zu lange schon mit „unrasierten Migranten“ (geschätzter O-Ton, Management) und H&M tragenden Studienabbrechern — oder noch schlimmer: Bachelorabsolventen — die spärlich gepolsterten Kinositze teilen mussten. Ein neues Film-Erlebnis musste her. Weg vom amerikanischen Bigger-Better-Faster-Approach, zurück zum urtümlichen Kinoglück: Schwere, deutsche Eichenvertäfelung, samtbezogene Kingsize-Sitze und eine sittliche Ruhe, wie sie nur existieren kann, wenn alle Gäste wenigstens ein paar Seiten Gropius geblättert haben. Aber ist der Wunsch nach Besinnlichkeit und Anmut in unserer schnelllebigen Zeit wirklich so groß? 

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