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Wort mit Potenzial: Leerlaufhandlung

Leelaufhandlung (oder, Leerlaufbewegung): Eine Instinktbewegung, die von einem angeborenen Auslösemechanismus in Gang gesetzt wird, ohne dass ein Schlüsselreiz nachgewiesen werden kann.

Diesen Begriff hat der Biologe und Verhaltensforscher Konrad Lorenz im Jahr 1978 ins Spiel gebracht. Er schrieb: "Mein altes Vorlesungsbeispiel des ‚Leerlaufs‘ ist das Verhalten eines Stares, an dem ich als Gymnasiast das Phänomen entdeckte. Von einer hohen Warte aus blickte der Vogel gespannt nach der weißen Decke des Zimmers empor, als ob dort Insekten flögen, flog dann ab, schnappte in der Luft zu, kehrte auf seine Warte zurück, vollführte die Bewegung des Totschlagens von Beute, schluckte und verfiel danach in Ruhe. Es dauerte lange, ehe ich mich endgültig davon überzeugt hatte, dass in jenem Zimmer keinerlei winzige, meinem Auge unsichtbare Kerbtiere herumflogen.

Kurz gesagt: Der Vogel wartet gut genährt, aber ungeduldig auf umherfliegende Insekten, um sie zu jagen. Doch keine Beute erscheint in seiner Flugzone. Also handelt er automatisch und tut einfach so, als ob dort eine Beute sei. Dadurch, dass der Star handelt, baut er den angeborenen Druck ab und kann sich wieder etwas entspannter hinsetzen und auf die nächste Schein-Beute warten. 

Was löst dieses Leerlaufhandlung aus?

Ein solches auch "Appetanzverhalten" benötigt zwei Faktoren: ein Triebverhalten und eine gewisse Zeit ohne entsprechenden Schlüsselreiz. Dein Stammhirn will also, dass du etwas tust – aber es gibt keinen Grund, das zu tun. Dann bricht auch ohne nachweisbaren Reiz eine solche Leerlaufhandlung hervor, die den Druck deutlich reduziert. 

So wird es in der Welte der Tiere beobachtet und bezeichnet. 

Leerlaufhandlungen bei Menschen?

Geht es dir wir mir? Dann fallen die einige "Leerlaufhandlungen" auch in der Menschenwelt ein. Also Situationen, in denen ein Trieb auch ohne nachweisbaren Grund ausgelebt wird. 

  •  Hast du dich schon mal irgendwo gekratzt – ohne, dass es gejuckt hat?
  • Gehst du nach einem Meeting vielleicht aufs Klo – obwohl es nur 30 Minuten lang war?
  • Hast du manchmal den Wunsch etwas zu kaufen – obwohl du gar nichts brauchst? 

Freilich verwende ich das Wort nicht im wissenschaftlichen Sinne. Echte Leerlaufhandlungen sind biologisch den Tieren vorbehalten. Doch warum so einen anschaulichen Begriff nicht kreativ erweitern? 

Jedenfalls fallen mir eine Menge Leerlaufhandlungen ein, die ich bei mir und anderen Menschen beobachten kann: 

  • Einen Tweet schreiben – obwohl es gerade nichts zu sagen gibt. 
  • Die Nachrichten lesen – obwohl sich in den vergangen 20 Minuten ziemlich sicher nichts weltbewegendes getan hat.  
  • Die Rankings oder die Zahl der Besucher meiner Webseite checken – obwohl es dafür überhaupt keinen Grund gibt.

Wie geht es dir? Ich kann den Druck nachvollziehen, den der Vogel von Konrad Lorenz empfunden hat, bevor er die virutelle Beute jagte. Auch ich tue dann manchmal etwas Unsinniges. 

Und wenn ich so darüber nachdenke, erklärt mir das sogar die Erfolge von Messenger-Diensten, Social Media, Nachrichtenportale und Games. 

Und nun?

Mir hat das Wort gefallen, als ich es gehört und letztlich auch verstanden habe. Vielleiht verwende ich es ab und an in meinen Texten. 

Photo im Teaser von Phil Baum auf Unsplash

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